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Freitag, 10. August 2007, 15.10 Uhr

Cover-Design – Label-Identität

Kabinettausstellung im Jazzclub Neue Tonne Dresden

Eine kleine Kabinettausstellung zum Thema »Cover-Design – Label-Identität« ist derzeit bis Ende Oktober in den Kellerclubräumen des Jazzclubs Neue Tonne Dresden zu sehen. Gezeigt werden CD-Cover der Label ECM, Winter&Winter, Intakt und hatOLOGY.

Schon zu Zeiten der Langspielplatte erreichte das Plattenhüllen-Design im Bereich des Jazz ein sehr hohes Niveau, gelangte früher als das Hüllen-Design im Rockbereich zu einer eigenwertigen Formensprache und erwies sich sogar manchmal – wie beim Cover für die LP »Undercurrent« (Bill Evans / Jim Hall; 1963 – Eingangsvitrine im Vorraum, linke Buchseite) oder den von Andy Warhol schon in den fünfziger Jahren gezeichneten Cover für einige Blue-Note-Alben – als designgeschichtlich-künstlerisch bahnbrechend.

Mit dem Aufkommen der Compact Disc (CD) veränderten sich auch die Marketingbedingungen für Jazzplatten, ganz abgesehen davon, dass sich bis dahin auch der Schwerpunkt der Tätigkeit der großen US-amerikanischen Musikunternehmen weg von Klassik, Tin Pan Alley und Jazz hin zu Rock und Pop verlagert hatte.

Seit dem Ende der 1980-er Jahren stehen zunehmend mehr kleine Jazzlabels mit sehr geringem Budget untereinander und gegen die wirtschaftlich »schweren«, künstlerisch uniformierend wirkenden Musikkonzerne im Wettbewerb.

Cover-Design für Jazz-CDs in den 1990-er Jahren musste nun etwas anderes als Cover-Design für Jazz-LPs in den 1960-er Jahren sein. Ästhetisch gesehen war die wichtigste Neuerung die drastische Verkleinerung des für das Grafik-Design zur Verfügung stehenden Formats.

Mit dieser kleinen Kabinettausstellung »Cover-Design – Label-Identität« soll anhand von Beispielen gezeigt werden, dass eine ganze Reihe von Jazzlabels sich diesen Herausforderungen stellen, indem sie die Cover-Gestaltung als Element der Corporate Identity des Labels in den Vordergrund rücken. Die Erkennbarkeit des Labels mittels eines übergreifenden Label-Corporate-Designs ist ihnen wichtiger als die Visualisierung der Ideen des betreffenden Musikers oder des Wesens der betreffenden Musik der jeweiligen konkreten CD.

Einige Anmerkungen zum Cover-Design der betreffenden Labels:

Edition of Contemporary Music (ECM): Das äußere Erscheinungsbild vieler CDs des von Manfred Eicher 1969 gegründeten Münchner Labels mit Weltbedeutung ist von Naturfotografien geprägt. Klarheit und Schönheit, so sagt man dem Label nach, gehören zu dessen Leitlinien in Musik und Design. In Zeiten, in denen sich viele Menschen nach Orientierungen sehnen, ist eine ästhetisiert visualisierte Melancholie ein besonders passende Reiz.

Die teils bis ins Abstrahierte getriebenen Schwarzweiß- oder Einfarbfotografieren der CD-Cover haben dabei zumindest indirekt einen Musikbezug; sie vermitteln in ihrer Gesamtheit etwas vom Flair der auf ECM veröffentlichten Musik: nicht selten eine Musik der zurückhaltenden Eleganz und der Nachdenklichkeit.

Das ECM-Coverdesign ist so erfolgreich, dass darüber schon ein mittlerweile vergriffener Bildband veröffentlicht wurde.

Winter & Winter: Das 1997 von Stefan Winter als Nachfolger des Labels JMT (Jazz Music Today) gegründete Münchner Label gestaltet seine CD-Hüllen von Grund auf eigenständig, seine gerillten Papp-Klappcover erinnern eher an kleine Bücher im Sinne von Sammlerstücken und sollen, so Stefan Winter, schon allein damit die Aufmerksamkeit auch von Kunstfreunden und Büchersammlern ansprechen. Die CD-Hüllen-Ästhetik kennt keine auch nur indirekte Bezugnahme auf die auf der CD enthaltenen Musik, auch nicht – wie zumindest bei ECM – auf das Flair der Gesamtheit der auf dem Label vertretenen Musik. Wer darüber informiert werden will, um wessen und um welche Musik es sich handelt, muss schon sehr nah herantreten und die eingeprägten Schriftzüge lesen.

Konsequenterweise kennt Stefan Winter auch keine Covertexte; stattdessen enthält das Klappcover Innen-Leporellos mit meist abstrakter Grafik. Eine visuelle oder gar verbale Interpretation der Musik hält Stefan Winter für unangemessen.

Intakt Records: Etwas Besonderes ist das Konzept der Covergestaltung des Schweizer Labels von Patrik Landolt, dessen Motto für die visuelle Gestaltung lautet: »Jeder CD ihr eigenes Gesicht!« Die Musik jeder CD sei so einzigartig, dass ihre Singularität auch bei der visuellen Präsentation ausgedrückt werden soll. Einige hervorragende Grafiker, allesamt ausgewiesene Kenner der Musik, arbeiten seit vielen Jahren regelmäßig für Intakt Records – in jüngster Zeit bereichert der typografische Gestalter Jonas Schoder, Mitglied der Zürcher Musikerorganisation OHR, das Intakt-Design. Viele international bekannte Künstler steuern, übrigens häufig auf Empfehlung oder gar Wunsch der jeweiligen Musiker, Bilder für die Intakt-Cover bei, darunter A.R. Penck, Max Bill, Peter Frey, Niklaus Troxler, Gerda Lepke, Hans Scheuerecker und Strawalde. Auf diese Weise entsteht eine ganz spezifische, nicht selten persönliche Beziehung zwischen der Musik und dem jeweiligen Coverdesign.

Hat Hut Records / hatOLOGY: Die für Jazz und improvisierte Musik zuständige Linie hatOLOGY des 1975 von Werner X. Uehlinger gegründeten Schweizer Labels Hat Hut Records gestaltet ihre Papp-Klappcover, die stets auch ausführliche, flächig-geometrisch layoutete Covertexte enthalten, nach den Prinzipien von Kontrast und Balance und schafft auf diese Weise ein einprägsames Label-Design. Zurückhaltende Schwarzweiß-Fotos kontrastieren mit knallorangener, typografisch ambitionierter Schrift, die Fotos selbst erhalten nicht selten Spannung aus dem Kontrast zwischen Musikerabbildungen und geometrisch interessanten Detail- oder auch Landschaftsaufnahmen. So verkörpert das Hüllen-Design von hatOLOGY eine Verbindung von herkömmlich scheinenden Musikerporträts, avancierter Fotokunst und ambitionierter Typografie.

Themenbereiche: Tonne-Nachrichten (76)
M. B.

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