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Donnerstag, 15. Juli 2010, 11.09 Uhr

Broschüre zum »Tonne«-Jazz rund um die politische Wende im Oktober 1989 liegt vor

Mit »Streiflichter. Erinnerungen und Überlegungen zum Jazz in Dresden rund um die politische Wende« hat der Jazzclub Neue Tonne eine Broschüre veröffentlicht, die versucht, sowohl die Ereignisse rund um die »Tonne«-Konzerte der damaligen IG Jazz Dresden im Oktober 1989 und die Erinnerungen einiger Musiker dem Vergessen zu entreißen als auch Antworten auf die Frage zu finden, welche Rolle die die DDR-Kulturpolitik oder gar die Staatssicherheit bei der Übernahme der Gewölbekeller unter der Ruine des Kurländer Palais durch die IG Jazz am Ende der siebziger und am Anfang der achtziger Jahre spielte.

Zugleich ist die Broschüre abschließender Teil des Projektes »Wendejazz – Jazz in Dresden rund um die politische Wende 1989«, das aus dem Programm »20 Jahre Friedliche Revolution und deutsche Einheit« der Sächsischen Staatskanzlei gefördert worden war und in dessen Rahmen zwei Konzerte im Oktober 2009 sowie eine Ausstellung im Jazzclub Neue Tonne bis Ende 2009 stattfanden. Auch Vorträge und eine Webseite zählten zum Projekt.

Die unter Verwendung von Handzeichnungen des 1999 verstorbenen Dresdner Künstlers und Jazzfreundes Jürgen Haufe von Kerstin Hübsch (Grundsatz Grafikdesign) anspruchsvoll gestaltete Broschüre verdeutlicht, dass die damalige IG Jazz Dresden in den Jahren vor der politischen Wende als Jazzveranstalter durchaus zu den Nutznießern der Kultur- und Sicherheitspolitik der DDR zählte, keinesfalls »zu den Benachteiligten oder gar Unterdrückten«. Die Veröffentlichung verweist aber ebenso darauf, dass diese Konstellation durchaus auch zum Nutzen der Jazzfans und guter, internationaler Jazzmusik funktionierte: So manches wilde, interessante Konzert mit Musikern aus dem westlichen Ausland durfte stattfinden, weil es jazz-nahen Kulturfunktionären oder gar IMs gelungen war, »nach oben« das Misstrauen zu zerstreuen. Beschrieben wird anhand einiger weniger Beispiele auch, mit welch perfiden Methoden die Stasi Andersdenkende auch im Jazzbereich »zersetzen« wollte.

Der dokumentarische Teil der Veröffentlichung ruft zwei Konzerte in der alten »Tonne« im Oktober 1989 in Erinnerung und verdeutlicht, wie die Jubiläumskonzerte zwanzig Jahre danach im Oktober 2009 jene von 1989 konzeptionell aufgegriffen und weiterentwickelt haben.

Mathias Bäumel

Jazzclub Neue Tonne Dresden e. V. (Hrsg.): Streiflichter. Erinnerungen und Überlegungen zum Jazz in Dresden rund um die politische Wende, Dresden 2010, 56 Seiten, ISBN 978-3-941209-04-6

Bezug über www.jazzclubtonne.de oder, ab September 2010 wieder, zu Konzerten im Jazzclub Neue Tonne oder bei Sweetwater, Friedrich Wieck Str. 4, 01326 Dresden.

Spende an die »Tonne« ab 5 Euro pro Heft willkommen.

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Steffen Wilde

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