Jazzclub Tonne

DER Jazzclub in Dresden!

Kabinett-Ausstellung CD-Cover-Design Gábor Bachman & Meral Yasar (H)

Chinese Zipphouse für Nanjing Foshou Lake Architecture and Art Development Ltd. Co. China (© bachman.hu)

Chinese Zipphouse für Nanjing Foshou Lake Architecture and Art Development Ltd. Co. China (© bachman.hu)

Er zählt zu den derzeit berühmtesten Architektur-Denkern der Welt, zu den gefragten Visionären, zu den prägenden Künstlern einer avancierten Videofilm-Kunst, nun auch, gemeinsam mit seiner Frau Meral Yasar, zu den innovativen Grafikdesignern – der Ungar Gábor Bachman.

Sein Werk als Architekt ist außerordentlich vielfältig und umfasst neben Gebäude-Entwürfen auch abstrakte Architektur und Architekturmalerei für avantgardistische Videofilme, Vorträge, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Bücher zur Architekturtheorie und zu Konzepten zum Leben in den Räumen der Zukunft.

Schon 1986 gewann der Ungar den renommierten »Prize of International Competition of Japan Architect, Tokyo«. 1996 stellt Bachman bei der VI. Internationalen Architektur Biennale in Venedig sein Projekt »Architektur des Nichts« vor und zieht die Aufmerksamkeit der internationalen Fachwelt auf sich. Bachmans Gebäudeentwürfe werden zum ersten Mal im chinesischen Nanjing verwirklicht – im Rahmen des Projektes »Balance Building«, wo er mit vielen international bedeutenden Architekten zusammenarbeitet. Grundlage für seine Zipp-Häuser-Konzeptionen (siehe Bild rechts oben: ein Projekt im chinesischen Nanjing) ist das Art-Smart, das in Bachmans Augen eine zukunftsträchtige Synthese von Architektur, Design, Multimedia, Musik und Film darstellt. Zwischen den scheinbar autonomen Fachrichtungen schafft die Architektur eine Einheit. 1997 lädt der japanische Stararchitekt Arata Isozaki Gábor Bachman neben 47 weiteren Architekten von Weltruf zum Projekt »Mirage City« ein, darunter auch noch Zaha Hadid, Frank O. Gehry oder Daniel Libeskind.


CD-Cover

Bild vergrößern Gábor Gadó – Psyché

Gábor Gadó – Psyché

Bild vergrößern Gábor Gadó – Unknown Kingdom

Gábor Gadó – Unknown Kingdom

Bild vergrößern Oláh/Bacso/Boisseau – Fitting

Oláh/Bacso/Boisseau – Fitting

Bild vergrößern Lakatos/Lukács – Check It Out, Igor

Lakatos/Lukács – Check It Out, Igor


Als Vor-Denker ist Gábor Bachman ebenfalls vielgefragt. Gemeinsam mit Philosophen, Stadtplanern, Architekten, Mathematikern und Zukunftsdenkern wie Paul Virillo, Jack Derrida, Axel Schultes, Günther Domenig, Benoît B. Mandelbrot oder auch Peter Weibel tritt Bachman im Jahre 2000 beim wissenschaftlichen Kongress »Metamorphosen der Ordnung« in Prag auf.

Und Gábor Bachman trug mit seinen visuellen Ausstattungsideen zur Schaffung einer avancierten Videofilm-Kunst bei. An der Produktion der wichtigen Kultfilme des Video-Künstlers und -theoretikers Gábor Bódy (»Narziss und Psyché«, 1980; »Nachtlied des Hundes«, 1983) war Bachman ebenso beteiligt wie an damals wegweisenden, unter Verwendung von Bildelektronik erstellten, surreal-popartig wirkenden Fernsehspielen (z. B. »Herzog Blaubarts Burg«, 1981) – stets als »Production Designer«, was bei Bachman Farbdesign, Szenenbild, Bühnenarchitektur, elektronische Bildverfremdung sowie die elektronische Kreation virtueller Räume einschließen konnte. Im Laufe der Jahre schuf Bachman das visuelle Design von weiteren Fernseh-, Dokumentar- und Kinofilmen. Gemeinsam mit László Rajk gestaltete er 1989 die künstlerische Seite der ganz Ungarn bewegenden Begräbniszeremonie für die Märtyrer der 56-er Revolution.

Seit mehr als fünf Jahren entwirft Gábor Bachman gemeinsam mit seiner Frau Meral Yasar CD-Cover für das exzellente ungarische Label BMC Records. Das Label stellt – neben der Edition von zeitgenössischer Musik – in einer sehr guten Klangqualität brillante Aufnahmen der Spitze ungarischer Jazzmusiker vor, wobei neben der innovativen Qualität vor allem künstlerische Eigenständigkeit und genreübergreifende Grenzüberschreitungen an der Spitze der Auswahlkriterien stehen. Eine Spezifik von BMC Records ist der künstlerische Brückenschlag von Budapest nach Paris, nicht zuletzt auch, weil wichtige ungarische Musiker aus dem BMC-Programm wie der einzigartige, grüblerische Gábor Gadó in Paris leben. Auf BMC Records begegnen sich zeitgenössischer Jazz mit Klassikern der Moderne und Elementen verschiedener Volksmusiken, und dies nicht selten – Gadós Arbeit verdeutlicht das besonders – mit philosophisch-ethischem Anspruch.

Im ergänzenden Kontrast zu den ansonsten meist zurückhaltend dezent-elegant oder auch melancholisch wirkenden Covergestaltungen solcher Labels wie ECM, between the lines oder Winter+Winter und völlig im Gegensatz zur Heerschar der ohne jede künstlerische Ambition entworfenen CD-Cover vieler Kleinlabels beziehen die Bachman-Meral-Gestaltungen ihren künstlerischen Wert aus der magisch starken Attraktivität des Visuellen, der Bilder, die fast immer regelrechte »Eye-Catcher« sind. Während Meral Yasar und Gábor Bachman am Beginn der Zusammenarbeit mit BMC Records noch auf die Wirkung eindringlicher, schwarz-weißer oder schwachfarbiger Fotos setzten, entwickelten sie bald eine auf Art-Smart basierende grelle, manchmal an Pop Art erinnernde, teils surreal wirkende Ästhetik, die in der Welt der CD-Covergestaltung überhaupt ihresgleichen sucht. Einzigartige Cover als Resultat einer auf diesem Spezialgebiet einzigartigen Kooperation – die zwischen einer Grafikerin und einem Architekten.

Mathias Bäumel

Jazzclub Tonne / Festival JAZZWELTEN 2007 – Ausstellung